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ZAS baut seine Rücklagen planmäßig ab

Artikel im Alt-/Neuöttinger Anzeiger vom 12.12.2019

Burgkirchen. Das Müllheizkraftwerk (MHKW) in Burgkirchen (Lkr. Altötting) verzeichnet für das Geschäftsjahr 2019 einen Verlust von 5,462 Millionen Euro. Anlass zur Sorge für den Bürger besteht nicht; das Werk verfügt aktuell über liquide Mittel von etwa 85 Millionen Euro, die nach einem Beschluss des Zweckverbandes Abfallverwertung Südostbayern (ZAS) aus dem Jahr 2017 auch weiterhin abgebaut werden sollen.
ZAS-Vorsitzender Landrat Erwin Schneider eröffnete die 42. Zusammenkunft der Vertreter der Verbandsmitglieder – das sind die Landkreise in Südostbayern und der Abfallwirtschaftsverband Isar-Inn – mit einem deutlichen Hinweis auf den Müllnotstand in Deutschland: Die Bevölkerung wachse, die Wirtschaft laufe gut, und der geplante Ausstieg aus der Braunkohle werde zu einer zusätzlichen Müllmenge von einer Million Tonnen führen, die bisher zusammen mit der Kohle verbrannt wurde. Der Bau neuer Müllheizkraftwerke sei aber politisch nicht durchsetzbar, so Schneider.

Trapp: „Zuwanderern fehlt das Bewusstsein“
Heinrich Trapp, Landrat von Dingolfing-Landau, fügte an, auch die steigende Zuwanderung führe zu mehr Müll. In diesen Bevölkerungskreisen fehle das Bewusstsein für die Müllproblematik. Gesetze und Verordnungen könnten hier nichts bewirken, eine Verhaltensänderung sei nur langfristig möglich.
Schneider erinnerte an die wichtigsten Ereignisse und Entscheidungen der vergangenen sechs Jahre. 2015 sei der Vertrag mit der Firma InfraServ neu gestaltet worden, um eine gleichmäßige Dampfabnahme zu erreichen. Der ZAS habe im selben Jahr die EU-weite Ausschreibung über die Verwertung der Abfälle von 17000 Tonnen des Landkreises Ebersberg gewonnen. Eine große Herausforderung seien die riesigen Sperrmüllmengen gewesen, die nach der Hochwasserkatastrophe in Simbach angefallen waren.
Vom Bau einer Biomüllvergärungsablage habe man langfristig Abstand genommen, da die gemeldeten Mengen zu gering und ihre Verwertung nur zu hohen Entsorgungspreisen geführt hätte, so Schneider. Willi Geistanger, grüner Kreisrat aus dem Landkreis Traunstein, widersprach. In Miesbach betrage die Biomüllmenge 100 Kilogramm pro Einwohner und Jahr; da könne der Wert von acht Kilogramm für den Landkreis Altötting nicht stimmen. Schneider beharrte auf der Menge, die die Uni Bayreuth nach einer umfangreichen Analyse für seinen Landkreis ermittelt habe. Er führte auch die Mikroplastik-Problematik an, das nach der Vergärung von Biomüll weitgehend auf den Äckern lande: „Bei Korngrößen unter einem Millimeter hilft das Durchsieben der Plastikabfälle nichts. Ich halte die Anreicherung des Erdreichs mit Kunststoffen für sehr bedenklich.“
Seit der Inbetriebnahme des MHKW sei im Jahr 2017 die größte Müllmenge mit 240136 Tonnen angeliefert worden, sagte Schneider – ein Rekord, der sich im Berichtsjahr 2018 nicht habe steigern lassen. Dank des Abbaus der liquiden Mittel seien 2018 die Anlieferentgelte erneut um 20 Euro pro Tonne für die Verbandsmitglieder mit Ferntransportsystem und um 14 Euro pro Tonne für den Landkreis Altötting gesenkt worden. Auch 2019 und ’20 erfolge eine weitere Entlastung um jeweils zehn Euro pro Tonne; derzeit entrichten der heimische Landkreis 38 Euro pro Tonne und die restlichen Landkreise 78 Euro pro Tonne für die Entsorgungsleistungen. Mit diesen niedrigen Preisen liege der ZAS bundesweit an der Spitze; zum Teil würden in Deutschland weit über 200 Euro pro Tonne verlangt, die wieder auf die dortige Bevölkerung umgelegt würden.
Vor 25 Jahren habe das MHKW zum ersten Mal Müll verbrannt; diesem Ereignis sei ein langer Kampf vorausgegangen. Der Zweckverband habe sich vom anfänglichen Reizthema zum erfolgreichen, unverzichtbaren Teil der Kreislaufwirtschaft etabliert, sagte Schneider. Wirtschaftlich sei die Einrichtung ein voller Erfolg. Im Jahr 2000 standen beim ZAS noch Darlehen von 220 Millionen Euro zu Buche. Es sei gelungen, diese Verbindlichkeiten bis 2011 zu tilgen. Der ZAS habe die Gefahr der Privatisierung erfolgreich abgewendet und 2008 auch den Betriebsführungsvertrag mit der MHB beenden können.
Seit Bestehen des Verbands seien im MHKW 27,5 Millionen Kubikmeter Müll verwertet worden; eine Menge, mit der der Tachinger See hätte aufgefüllt werden können.
Robert Moser, kaufmännischer Werkleiter des ZAS, berichtete über das abgelaufene Geschäftsjahr. 231435 Tonnen Müll seien angeliefert worden. Die Stillstands- und Ausfallzeiten seien gegenüber 2017 gestiegen, weshalb deutlich mehr Müll an die Kooperationspartner geliefert wurde. Mit 30,1 gegenüber 32,5 Millionen Euro habe das Werk nicht den Umsatz von 2017 erreicht, was trotz gestiegener Abrechnungsmengen den vereinbarungsgemäß reduzierten Entgelten geschuldet sei.

Nach 25 Betriebsjahren: Instandhaltung kostet mehr
Bei den Energieerlösen habe der ZAS mit knapp sechs Millionen Euro um zwölf Prozent mehr als 2017 eingenommen. Der Material-, Personal- und sonstige Betriebsaufwand sei von 25,18 (2017) auf 28,84 Millionen Euro im Berichtsjahr gestiegen, erläuterte Moser. Diese Erhöhung beruhe weitgehend auf den umfangreichen Instandhaltungs- und Revisionsmaßnahmen. Die Überprüfung des Jahresabschlusses 2018 habe keine Beanstandungen ergeben. Die Vertreter der Verbandsmitglieder nahmen den Abschluss mit einer Bilanzsumme von 177,17 Millionen Euro und den über die allgemeinen Rücklagen auszugleichenden Jahresverlust von 5,46 Millionen Euro zustimmend zur Kenntnis. Die entsprechende Entlastung erteilten die Anwesenden einstimmig.

Wiederbelebung der Bahnstrecke „illusorisch“
Bei der Vorstellung des Haushaltsplans für 2020 betonte Moser den weiteren Rückgang der Verbrennungsentgelte für die Verbandsmitglieder. Für Fremdanlieferer seien wegen der gestiegenen Nachfrage nach Verbrennungskapazitäten die Preise angepasst worden. Die Geldeingänge aus diesen sonstigen Anlieferungen und die des Landkreises Ebersberg deckten inzwischen 52 Prozent der Erlöse aus Müllanlieferungen ab – bei einem Anteil von nur 32 Prozent an der Gesamtanliefermenge. Auch 2020 werde der Materialaufwand gegenüber dem laufenden Jahr um 3,85 auf knapp 22 Millionen Euro steigen. Diese Erhöhung sei erneut dem deutlich gestiegenen Instandhaltungsbedarf nach 25 Betriebsjahren geschuldet, so Moser. Für nächstes Jahr seien Gesamtinvestitionen von 7,62 Millionen Euro eingeplant. Die Haushaltssatzung und den Wirtschaftsplan 2020 billigte die Versammlung ohne Gegenstimme.
Auf Nachfrage erläuterte Schneider, dass immer wieder aufkeimende Hoffnungen auf eine Wiederbelebung des seit 2017 ruhenden Bahnverkehrs von der Müllumladestation Marklkofen nach Neumarkt-St.Veit illusorisch seien. Die Rhein-Sieg-Eisenbahn als Betreibergesellschaft habe inzwischen das Stilllegungsverfahren eingeleitet. Was mit den Gleisanlagen passiere, wisse man nicht, so der Verbandsvorsitzende. Eine Übernahme der Bahnstrecke durch den Landkreis werde es nicht geben.